Das Ende des Börsenwinters?
Seit einigen Tagen geht es wieder los: Beim morgendlichen Öffnen der Jalousien strömt Sonnenlicht entgegen. An den Bäumen sprießen junge Blüten. Keine Frage: Der Frühling steht vor der Tür. Die Winterzeit war doppelt kalt, galt es doch, den immer neuen Hiobsbotschaften der Finanzkrise zu trotzen. Nicht nur Bergbäche erstarrten in der Winterskälte, auch Wirtschaft und Politik schienen all zu lange wie eingefroren, hilflos gegenüber dem Ungetüm, das über die Märkte kam.
Nun ist die Krise gewiss lange nicht ausgestanden, doch mag es kein Zufall sein, dass mit den ersten zarten Blüten, die ihre Köpfe zögernd durch den letzten Nachtfrost recken, auch mehr Bewegung in Unternehmen und Regierungen kommt. Dabei zeichnen sich die ersten Wege aus der Krise bereits ab. Viele Tatsachen kommen ans Licht der Öffentlichkeit, die viel zu lange verschwiegen wurden. Die Erkennung der Wahrheit sollte allerdings der erste Schritt zur Besserung der verzweifelten Lage sein. Wärmte uns Barack Obama im Januar noch mit seinen Worten, wird mittlerweile verstärkt zur Tat geschritten.

Vorboten des Frühlings...
Wir werden im Folgenden darauf eingehen, wie einer der größten Übeltäter der Krise endlich Farbe bekennt und sich den gerechten Zorn der Öffentlichkeit zuzieht.
Des Weiteren werfen wir einen Blick auf die abwrackprämienbeflügelte Automobilbranche - es wird bald Zeit, die Sommerreifen aufzuziehen - während in den Alpen nicht nur der Schnee, sondern auch das Nationalheiligtum Bankgeheimnis dahinschmilzt. Dass nicht alle Branchen darniederliegen, beweisen uns die Pharmaunternehmen, die ihren Frühlingsgefühlen freien Lauf lassen und sich pärchenweise zusammenfinden.
Begrüßen Sie gemeinsam mit uns den Frühling und hoffentlich den Anfang vom Ende eines langen Winters.

Es grünt wieder...
Wenn der Schnee schmilzt...
...sieht man wo die Probleme liegen. So geschehen im Falle des liebsten Krisengespenstes der Amerikaner, dem Versicherer American International Group (CFD-Kürzel: AIG). Das Unternehmen, das 2008 einen Rekordverlust von 99,9 Mrd. Dollar verzeichnete (davon allein 61,7 Mrd. Dollar im vierten Quartal) wurde in den Augen der Landsleute zu einem weiteren Beispiel dafür, dass in den USA umgedacht werden muss.
Alles begann mit dem Eingeständnis von Bonuszahlungen in Höhe von 165 Mio. Dollar an AIG-Manager, angeblich aufgrund vertraglicher Bindungen unumgänglich. Dabei musste AIG bereits seit geraumer Zeit durch die Regierung gestützt werden. Der Konzern ist mittlerweile zu gut 80 Prozent verstaatlicht und schluckte Finanzhilfen aus Steuergeldern in Höhe von 170 Mrd. Dollar. Während die US-Regierung jetzt Wege prüft, die Bonuszahlungen von den nächsten Hilfsgeldzuschüssen abzuziehen, kamen Zahlen ans Licht, gegen die die 165 Mio. Euro wie Peanuts wirken. Denn unter dem Druck der Regierung enthüllte AIG jetzt die Namen seiner Partner im hochriskanten CDS-Geschäft (Credit Default Swaps) und die Summen, die diese aus dem Hilfsgeld-Fundus der AIG erhalten haben.
US-Finanzminister Timothy Geithner dürfte aus dem Haareraufen nicht mehr herauskommen, seit er erfahren hat, dass AIG insgesamt rund 94 Mrd. Dollar an andere Banken und weitere 12,1 Mrd. Dollar an diverse US-Bundesstaaten ausgezahlt hat, während der Versicherer schon direkt unter dem Zapfhahn des großen Hilfsgeldfasses lag, das Ventil bis zum Anschlag aufgedreht. AIG nutzte also die Staatshilfen, um seine Schulden aus Kreditversicherungen bei diesen Partnern zu begleichen.

In der Bankenkrise kommt immer mehr Gilftmüll ans Tageslicht...
Die größte Zahlung von 12,9 Mrd. Dollar ging demnach an Goldman Sachs. Danach folgt die französische Bank Société Générale (CFD-Kürzel: GLE), die 11,9 Mrd. Dollar erhielt. Auf Platz drei findet sich bereits die Deutsche Bank (CFD-Kürzel: DBK) mit einer Rückzahlung von 11,8 Mrd. Dollar. Kein Wunder, dass Herr Ackermann ruhigen Gewissens davon sprechen konnte, sich zu schämen wenn sein Institut Staatshilfe annehmen müsste. Es hatte quasi bereits Staatshilfe erhalten.
Auch die britische Bank Barclays (CFD-Kürzel:BARC) (8,5 Mrd. Dollar), die Dresdner Bank und Dresdner Kleinwort (je 2,6 Mrd. Dollar), die DZ Bank (1,7 Mrd. Dollar) und sogar die Landesbank Baden-Württemberg (100 Mio. Dollar) durften sich eines warmen Geldregens erfreuen. Zu den Partnern von AIG zählen auch Merrill Lynch, JP Morgan Chase, Morgan Stanley, Bank of America und zahlreiche weitere namhafte Banken rings um den Globus wie RBS, Banco Santander oder UBS. Die ganze Familie ist quasi beisammen - alle haben im großen Kreditgeschäftetopf mitgerührt.
AIG gibt sogar offen zu, dass vermutlich die europäischen Institute am meisten von den US-Rettungszuschüssen profitiert haben - und so weitere Abschreibungen verhindern können. Dass es so lange gedauert hat, bis die Wahrheit ans Licht kam, legt leider den Verdacht nahe, dass das Reservoir an Hiobsbotschaften noch nicht ausgeschöpft ist und AIG noch den ein oder anderen Schockmoment aus dem Ärmel zaubern kann.
Die Sonne geht auf...
... und die Hypo Real Estate (CFD-Kürzel: HRX) geht unter. Natürlich darf sie nicht untergehen und wurde deshalb schon mit gut 100 Mrd. Euro gestützt - quasi die deutsche AIG. Weitere 10 Mrd. Euro sind dringend erwünscht. Bei einer Bewertung des deutschen Hypothekenversicherers von nur noch knapp 190 Mio. Euro wäre das schon das rund 50fache des Unternehmenswertes.

Eine Bank im Frühling...
Die Verstaatlichung der HRE erscheint vielen als letztes Mittel, auch wenn dies eine Enteignung der Aktionäre bedeuten dürfte. US-Großaktionär Christopher Flowers stemmt sich vehement dagegen. Er sieht für die HRE nur in Eigenregie positive Perspektiven.
Die Zeit drängt, denn am 31. März läuft die Frist für alle Banken ab, um ihre Bilanz für 2008 vorzulegen. Bei zu hohen Verlusten, die die Mindestanforderungen an das Eigenkapital der Institute unerfüllbar machen würden, müsste die Bafin das betreffende Bankhaus schließen.
Die Aktie der HRE bleibt unterdessen ein Pennystock und notierte zuletzt nur noch bei 0,79 Euro.
Lawinengefahr...
... im Alpenraum und den Pyrenäen, denn das Bankgeheimnis schmilzt so schnell dahin, dass den Bürgern der betreffenden Länder kaum Zeit zum Nachdenken bleibt. Auch wenn die Bürger dieser sogenannten „Steueroasen“ bisher noch am wenigsten von den Sonderregeln ihrer Nationen profitierten, die eher ausländischen „Sparern“ in die Hände spielten.
Österreich, Schweiz, Luxemburg, Liechtenstein, Monaco und Andorra lockern ihre Bankgeheimnisse. Bern erließ beispielsweise am 5. März ein Gesetz, das sogar die Rasterfahndung ausländischer Steuerbehörden zulässt. Die Schweiz will es allerdings nicht bis zum „automatischen Austausch von Informationen“ kommen lassen.
Einer Schätzung Schweizer Bankverbände zufolge sind derzeit gut 1.400 Mrd. Euro von ausländischen Privatkunden in den Tresoren der eidgenössischen Banken gebunkert. Davon seien etwa 80 Prozent nicht versteuert. Doch offizielle Statistiken gaben bisher nur die Hälfte dieser Summe an.
Kein Wunder, dass es der handfesten Drohung der OECD erforderte, die unkooperativen Länder auf eine schwarze Liste zu setzen und mit Sanktionen zu belegen. Berlin plant angeblich schon ein Gesetz zur Bekämpfung schädlicher Steuerpraktiken und der Steuerhinterziehung.
Klar ist zumindest, dass mit dem Bankgeheimnis eine Institution schwindet, die in der Weltwirtschaft jahrzehntelang eine nicht zu unterschätzende Rolle einnahm.
Tauwetter...
... kann zu Unfällen führen. Doch vielen deutschen Automobilbesitzern konnte in den vergangenen Wochen gar nicht schnell genug das Auto kaputt gehen. Glücklicherweise fand das große Abwracken nicht auf den Straßen der Bundesrepublik statt, sondern in ihren Müllpressen. Der Autohandel jubelt - die ausländischen Hersteller, die die meisten neue Fahrzeuge verkaufen konnten, jubeln auch. Doch auf den Verbraucher kommt womöglich ein böses Erwachen zu.

Her mit der Abwrackprämie...
Wird das auf 1,5 Mrd. Euro begrenzte Paket nicht aufgestockt (was derzeit geprüft wird), dann ist es bald erschöpft. Ca. 600.000 Anträge für die Abwrackprämie sind möglich, rund 500.000 sollen bereits eingegangen sein. Täglich sollen tausende Anträge hinzukommen. Nun besteht die Gefahr, dass der Geldtopf bald leer ist und mehr Menschen ihre Altwagen abwracken, als Prämien verfügbar sind. Da es auch mit einem gültigen Kaufvertrag keinen Rechtsanspruch auf eine Auszahlung gibt, gilt ab dem 30. März quasi „Wer zuerst abwrackt, malt zuerst“.
Ein wahrscheinliches Szenario ist also, dass am Ende zahlreiche Autofahrer auf ihren zertrümmerten Fahrzeugen sitzen bleiben und womöglich schon Kaufverträge für Neuwagen unterzeichnet haben. Die Verbraucherzentrale warnt außerdem vor Schuldenfallen. Angeblich verschweigen viele Händler die tatsächlich verfügbare Anzahl von Kleinwagen, um Kunden letztlich zum Kauf von teureren Klassen zu verleiten. Autohändler bestätigen, dass viele Käufer im Prämienrausch schnell zu anderen Modellen greifen und dann nicht bedenken, ob sie diese auch bezahlen können. Dass diese Prognosen ernst genommen werden müssen, beweist auch die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung, die zum Jahresende mit einem deutlichen Zuwachs an Privatinsolvenzen aufgrund der Abwrackprämie rechnet.
Bei allen Teufeln, die wir an die Wand malen, wollen wir aber auch nicht vergessen, einen kurzen Blick auf diejenigen zu werfen, denen die Abwrackprämie in erster Linie zugute kommen sollte: den Automobilkonzernen.
Die Franzosen
Sowohl Renault (CFD-Kürzel: RNO) als auch Peugeot-Citroën (CFD-Kürzel: UG) bekommen Aufwind durch die angeblich geplante Fusion miteinander, auch wenn Analysten nicht daran glauben wollen und auch die französische Regierung sowie das Kartellamt nicht zustimmen dürften. Ein derartiges Vorhaben würde fast zwangsläufig mit Jobverlusten einhergehen, was für Paris momentan ein rotes Tuch ist.

Wohin fahren die Franzosen?
Renault hat übrigens mit der rumänischen Tochter Dacia den wahren Gewinner der Abwrackprämie an Bord. Der Dacia Logan wurde bereits im vierten Quartal 2008 rund 165.000 Mal verkauft und steigerte seinen Absatz somit um 16,2 Prozent. Im Gesamtjahr wurde das Modell 509.451 Mal abgesetzt, was einer Steigerung von 39 Prozente gleichkommt. Allein in Deutschland haben sich seit Einführung der Abwrackprämie die Kaufanträge für den Dacia Logan versechsfacht.
Peugeot dagegen meldet Umsatzzuwächse in Russland. Im Januar und Februar 2009 stieg dort gegenüber dem Vorjahr der Umsatz um 45 Prozent, der Marktanteil wuchs um 2,8 Prozent. Die Gruppe Peugeot-Citroën konnte ihren Umsatz insgesamt sogar um 55 Prozent steigern und 9.200 Fahrzeuge verkaufen.
Die Amerikaner
General Motors (CFD-Kürzel: GM) schreibt seine Mißerfolgsgeschichte weiter: Im Januar 2009 brach der Absatz auf dem US-Markt um 49 Prozent auf 129.227 verkaufte Einheiten ein. Im Februar ging der Absatz um 53 Prozent auf nur noch 127.296 Fahrzeuge zurück. Damit keine weiteren Staatshilfen nötig sind, müssen 2009 mindestens 11 Mio. Fahrzeuge abgesetzt werden. GM hat bereits rund 25 Mrd. Dollar vom Staat erhalten.
Derweil sperrt GM sich nicht gegen eine Abspaltung der umkämpften Tochter Opel und wäre auch mit einer Minderheitsbeteiligung zufrieden. Doch hat die US-Regierung Teile der Opel-Patentrechte erworben, was die Lage weiter verkompliziert. Ein stichhaltiges Konzept für die Abspaltung und Rettung Opels muss noch ausgearbeitet werden.
Die Bundesregierung lehnt eine Staatsbeteiligung derzeit noch ab und plädiert weiterhin für einen Privatinvestor oder einen industriellen Partner. Eine Kooperation der beiden Regierungen steht in Aussicht.
Den Kollegen von der Ford Motor Company (CFD-Kürzel: F) scheint es hingegen gar nicht mehr so schlecht zu gehen, wie noch vor kurzem. Zumindest in Deutschland sichert Ford Standorte. Auch die nächste Ford Focus Generation wird in Saarlouis produziert. Für die Modernisierung der Kölner Motorenwerke sollen zusätzlich gut 200 Mio. Euro investiert werden. Damit wären 7.300 Arbeitsplätze langfristig gesichert.
Doch auch bei Ford ist der Absatz im Februar stark eingebrochen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum sogar um 48 Prozent. In Europa ging der Absatz nur um 14 Prozent zurück, in Deutschland sorgte die Abwrackprämie sogar für einen Absatzzuwachs von 44 Prozent.
Die Ford-Papiere waren zuletzt 2,38 Dollar wert, die Aktie von General Motors notierte bei 2,36 Dollar.
Volkswagen (CFD-Kürzel: VOW)
Unter den deutschen Herstellern profitieren die Wolfsburger wohl am meisten von der Abwrackprämie, vor allem durch das ewige Erfolgsmodell VW Golf. Die Nachfrage ist so hoch, dass sogar einige hundert Mitarbeiter aus Braunschweig und Salzgitter ins Hauptwerk nach Wolfsburg versetzt werden sollen.

Immer ein Renner: Legende Golf
Auch die VW-Belegschaft profitiert dank Aktienoptionen und Bonuszahlungen von den Kurskapriolen ihres Brötchengebers. Von 2002 bis Ende 2008 wurden gut 900 Mio. Euro an die Mitarbeiter des Konzerns ausgeschüttet. Der Bonus für Tarifbeschäftigte stieg 2008 auf den Rekordwert von 4.100 Euro.
Auch die Expansion bei VW ist noch nicht beendet: Ein neues Werk der Tochter Skoda wird in Indien eröffnet und ab 2010 dort auch der VW Polo produziert. Bis dahin läuft in Indien der Skoda Fabia vom Band. Die Fabrik wird das zweite VW-Werk in Indien und soll 580 Mio. Euro kosten. Trotz der Finanzkrise bleibt Indien nämlich einer der vielversprechendsten Absatzmärkte der Welt.
Der Volkswagen-Kurs liegt zurzeit bei 210 Euro, dem Niveau, das viele Analysten im Oktober 2008 erwartet hatten.
BMW (CFD-Kürzel: BMW)
Der bajuwarische Vorzeigekonzern wurde aufgrund seiner premiumlastigen Produktpalette besonders hart von der Absatzkrise erwischt. Der Jahresgewinn 2008 brach gegenüber 2007 um gut 90 Prozent auf 330 Mio. Euro ein. Dabei war vor allem das vierte Quartal katastrophal, in dem 960 Mio. Euro Verlust angehäuft wurden und der Umsatz um 18,2 Prozent auf 12,8 Mrd. Euro einbrach. Der Gesamtumsatz 2008 sank um fünf Prozent auf 53,2 Mrd. Euro.

Klassiker mit Problemen: BMW...
Der Absatzeinbruch setzt sich auch 2009 fort: Allein im Februar gingen die Pkw-Neuzulassungen für BMW um 29 Prozent zurück. Das Unternehmen entließ in den vergangenen Wochen 7.500 Stammkräfte und 5.000 Leiharbeiter.
Dennoch ist BMW stabil genug, um sich langfristig zu erholen. Mit dem Mini, der als Elektroauto umgesetzt wird, ist ein gutes Kleinwagenpferd im Stall und die Bayern können noch vom Speck vergangener Erfolge zehren. Die Aktie weigert sich dementsprechend auch, abzustürzen und arbeitete sich zuletzt wieder auf 22,49 Euro hoch.
Daimler (CFD-Kürzel: DAI)
Auch weiter nördlich, in Stuttgart, gibt es Probleme. Die Neuzulassungen von Daimler-Pkws ließen im Februar um 30 Prozent nach. 18.000 Mitarbeiter werden in Daimlers Lkw-Werken ab Ostern in Kurzarbeit gehen. Auch Daimler leidet darunter, keine preisgünstigen Kleinwagen im Angebot zu haben. Die Langspielplatte von den Chrysler-Altlasten klingt derweil im Hintergrund.
Daimler sucht nach einem dritten Partner für sein Elektro- und Hybridmotorbündnis mit Evonik. Genauer gesagt, handelt es sich dabei um ein Joint Venture zur Fertigung von Lithium-Ionen-Batterien. Die nötigen Kompetenzen fänden sich beispielsweise bei Unternehmen wie Bosch, Continental, Tesla oder Toshiba.
Für ein paar Glückshormone zum Frühlingsanfang sorgt zumindest die Bussparte: Sie erzielte Gewinne und steigerte das EBIT um rund 30 Prozent gegenüber 2007 auf 406 Mio. Euro. Der Umsatz stieg um 11 Prozent auf 4,8 Mrd. Euro. 2008 wurden 40.600 Busse und Fahrgestelle verkauft. Daimler Buses ist nach eigenen Angaben größter Bushersteller der Welt. Die Daimler-Aktie stand zuletzt bei 20,77 Euro.
Porsche (CFD-Kürzel: POR)
Zur Abwrackprämie gibt es nicht viel zu sagen, darüber können die Porsche-Zielgruppe und somit die Porsche-Investoren vermutlich trotz der Krise nur müde lächeln. Interessanter sind die Gerüchte, denen zufolge zahlreiche Hedgefonds eine Klagewelle gegen die Zuffenhausener vorbereiten. Der Grund: angebliche Kursmanipulationen der VW-Aktie im Oktober 2008.
Die Reaktion aus dem Hause Porsche: „Wir haben uns immer vergewissert, dass wir alle rechtlichen Vorschriften einhalten. Wir sehen keine Grundlage für Gerichtsprozesse gegen uns.“
Ohnehin entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet Hedgefonds, die seit Jahren dafür kämpfen, ihre Geschäfte hinter verschlossenen Türen in völliger Intransparenz zu tätigen, jetzt Porsche ans Leder wollen, weil die eigenen Spekulationen auf einen Absturz der VW-Aktie fehlgeschlagen sind.
Die Porsche-Aktie zeigte sich jedenfalls unbeeindruckt und kletterte zuletzt auf 38,31 Euro.
Schmetterlinge im Bauch...
...sind bekanntlich Vorboten des Frühlings und treiben uns zur Zweisamkeit. Sicherlich eher aus rationalen Gründen, kommt es zur aktuellen Fusionswelle in der Pharmabranche. In all dem Krisengetöse der letzten Monate ist nur allzu leicht untergegangen, dass es auch noch profitable Branchen gibt. Folgende Werte erweisen sich zurzeit als krisenresistent:
Das US-Pharmaunternehmen Merck & Co. (CFD-Kürzel: MRK) gab kürzlich die Eingung mit dem Wettbewerber Schering-Plough (CFD-Kürzel: SGP) über ihre Fusion bekannt. Die beiden Konzerne wollen sich unter dem Namen Merck zusammenschließen. Der Chairman von Merck, Richard T. Clark soll das vereinigte Unternehmen führen.

Nimm zwei - Hochzeitssaison in der Pharmabranche...
Die jetzigen Merck-Aktionäre werden an dem Gesamtkonzern 68 Prozent halten, die Aktionäre von Schering-Plough 32 Prozent. Der kommende Pharma-Großkonzern wird außerdem eine enorm erweiterte Produktpalette haben und dazu etliche neue Präparate in der Entwicklung. Besonders stark werden Merck-Produkte in folgenden medizinischen Bereichen sein:
Kardiovaskuläre Erkrankungen (seit 50 Jahren Schwerpunkt von Merck & Co.), Atemwegserkrankungen, Onkologie, Neurowissenschaft (eine Stärke von Schering), Migräne- und Schlafmittel, Infektionskrankheiten (starke Synergien), Immunologie (dank Schering jetzt auch weltweit), Gynäkologie und Impfstoffe. In vielen relevanten Bereichen ist somit eine Kompetenzsteigerung zu verzeichnen.
Dazu kommt die globale Präsenz. Schering-Plough macht 70 Prozent seines Umsatzes außerhalb der USA, Merck dagegen ist stärker auf den Heimatmarkt fokussiert. Zusammen hätten die Unternehmen 2008 Umsatzerlöse von gut 47 Mrd. Dollar eingesammelt und liquide Mittel von 8 Mrd. Dollar zur Verfügung.
Durch die Fusion werden Synergien entstehen und Einsparungen von rund 3,5 Mrd. Dollar pro Jahr erwartet.
Beide Unternehmen konnten durch die angekündigte Fusion große Kurssprünge erzielen. Merck stieg auf 26,62 Dollar, Schering schoss sogar in kurzer Zeit von ca. 16 Dollar auf 23,15 Dollar empor.
Wir bleiben in den USA, wo Pharmagigant Pfizer (CFD-Kürzel: PFE) sich die Übernahme des Konkurrenten Wyeth (CFD-Kürzel: WYE) 68 Mrd. Dollar kosten lässt. Krise, was ist das? Somit wird Pfizer zum größten Impfstoffhersteller der Welt.
Bei allem Optimismus bleibt die Übernahme in der Krise ein Risikogeschäft. Immerhin erhält Pfizer so schlagartig einen weltweiten Aktionsradius im Impfstoffsektor und erweitert seine Produktpalette um erfolgreiche Medikamente wie den Impfstoff Prevnar, der vor Lungenentzündungen schützt. Momentan erzielt der Impfstoffmarkt weltweit nur einen Umsatz von ca. 16 Mrd. Dollar, ist jedoch auch ein wachsender Markt mit guten Aussichten.
Pfizer profitiert derzeit auch von den Forschungserfolgen eines neuen Medikaments zur Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs. Sutent, das betreffende Medikament, ist bereits im Einsatz gegen Nieren- und Magen-Darmkrebs.
Nach Bekanntgabe der Fusion war die Pfizer-Aktie zunächst eingebrochen, erholte sich zuletzt jedoch wieder auf 14,09 Dollar. Wyeth dagegen profitierte sofort und erfuhr eine Kurssteigerung auf 42,61 Dollar.
Auch die europäische Pharmabranche gibt sich scheinbar Frühlingsgefühlen hin. Der Schweizer Pharmakonzern Roche Holding (CFD-Kürzel: ROG) übernimmt die US-Biotechtochter Genentech vollständig. Gezahlt werden 95,00 Dollar pro Aktie. Damit liegt der Kaufpreis für die fehlenden 44,1 Prozent bei 46,8 Mrd. Dollar. Genentech wird insgesamt mit 100 Mrd. Dollar bewertet.
Roche glänzte 2008 mit 46 Mrd. Schweizer Franken Umsatz und einem Gewinn von 10,8 Mrd. Franken. Genentech erzielte in der gleichen Zeit einen Umsatz von 13,4 Mrd. Dollar und einen Nettogewinn von 3,4 Mrd. Dollar.
Nach dem monatelangen Übernahmegeplänkel werden jetzt Synergieeffekte von 750 - 850 Mio. Dollar jährlich erwartet. Das neue Unternehmen wird siebtgrößter Pharmakonzern der Welt. Darüber hinaus schluckt Roche auch den deutschen Zellanalysespezialisten Innovartis für 15 Mio. Euro.
Die Börse honoriert die Schweizer Absichten noch wenig. Die Roche-Aktie fiel auf 144,40 Franken.
Die Konsolidierung in der Pharmabranche ist jedoch wahrscheinlich noch nicht abgeschlossen. Gut möglich, dass in nächster Zeit weitere kleine bis mittlere Wettbewerber fusionieren, um der Übermacht der Gigantenkonzerne gewachsen zu sein.
Fazit
Der Frühling kommt, die Krise geht? So einfach ist es sicher nicht, auch wenn wir sehen, dass die Finanzkrise noch lange nicht die Apokalypse bringt. Manche Branchen boomen trotzdem. Andere liegen vielleicht noch im Winterschlaf.

Todsicherer Tipp: Genießen Sie den Frühling!
Was uns Mut machen sollte, ist die Tatsache, dass die Krise immer stärker angepackt wird, dass sich die Nationen nicht zitternd im Schrank verkriechen, sondern auf das Übel zugehen. Institute wie AIG rücken endlich den schlimmsten Giftmüll heraus. So katastrophal die Zahlen auch sind, sie müssen erfasst werden.
Die Abwrackprämie muss skeptisch betrachtet werden, wenngleich sie ohne Zweifel auch ihren Teil leistet, um kurzfristig die Konjunktur anzukurbeln. Jetzt gilt es, aufzupassen, dass am Ende niemand das Nachsehen hat, sonst schwindet erneut das Vertrauen des Bürgers.
Für Trader ergeben sich langsam wieder Chancen mit Longpositionen. Denken Sie ruhig darüber nach, den einen oder anderen Pharmawert Ihrem Depot hinzuzufügen.
Abschließend bleibt nur noch ein Rat, den Sie unbedingt beherzigen sollten: Genießen Sie den Frühling - der Winter ist vorbei!
Matthias Protzel






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