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Die Inflation des Inflationsbegriffs

    Di, 02/03/2010 - 12:27 – S.Grönwoldt

    Die Sorge vor einer Inflation ist wieder Mode. Sie feuert unsere Phantasie an - und zugleich die Preise der Sachwerte: Jetzt schnell noch ein wenig Gold oder ein paar Immobilien kaufen, denn das Geld ist bald nichts mehr wert! Seit Jahresbeginn ist das Thema Inflation in den Medien allgegenwärtig. Der pauschale Begriff Finanzkrise verliert hingegen langsam an Bedeutung. Dabei ist die Inflation Teil der Finanzkrise. Sie findet sogar bis dato ausschließlich an den Finanzmärkten statt.

    In der Realwirtschaft sind die zusätzlichen Finanzmittel der Notenbanken kaum angekommen. Die Banken horten weiterhin Geld und selbst liquide Unternehmen stellen ihre Investitionen aufgrund der unsicheren Konjunkturaussichten zurück. Und an den Verbraucherpreisen hat die massive Ausweitung der Geldmenge ebenfalls nichts geändert: Die zehnfarbige Lichterkette mit integriertem Jingle-Belts-Sample zu 1,70 € war auch 2009 mit Sicherheit nicht der Auslöser für die schlechte Stimmung unterm Weihnachtsbaum.

    Eine Nachfragesog- oder Angebotsdruckinflation existiert zurzeit definitiv nicht: Die Industrie befriedigt die Nachfrage mit Leichtigkeit und die Chinesen arbeiten weiterhin für Niedriglöhne. In Deutschland ist die Inflationsrate daher auch zu Beginn 2010 ausgesprochen stabil: Gemessen an der Veränderung des Verbraucherpreisindex (ohne Berücksichtigung des Mineralölpreisanstiegs) hat das Statistische Bundesamt für Januar 2010 eine Jahresveränderungsrate von unspektakulären 0,2 Prozent ermittelt.

    Ist die aktuelle Sorge um den Geldwert also nur eine gefühlte Inflation von Wirtschaftsjournalisten? Sicherlich nicht, denn auch zahlreiche Ökonomen sehen die Inflation mittlerweile als einzige Lösung für den Schuldenabbau in Europa und den USA. Da die Währungshüter in den Notenbanken die Zinsen zurzeit schwerlich erhöhen können, ohne die schwache Weltkonjunktur zu gefährden, träumt der ein oder andere Finanzminister in diesen Tagen gewiss von einer Geldentwertung, um die angehäuften Schulden nicht mühsam wegsparen zu müssen.

    Plausible Prognosen zur Entwicklung des Geldwertes und zu den Folgen der Finanzpolitik für die Realwirtschaft und die Konsumenten fehlen jedoch derweil, denn die Finanzanalysten können die liquiditätsinduzierte Hyperinflationsgefahr aus Mangel an Erfahrungswerten bisher nur schwerlich modellieren.


    Macht uns die Politik des billigen Geldes bald alle zu Millionären?

    Die häufige Verwendung des Wortes „Inflation“ in den Medien könnte allerdings auf eine tatsächlich nahende Inflation hindeuten: Schließlich zählen auch das Wirtschaftsmagazin Economist und das deutsche Ifo-Institut den Begriff „Rezession“ in den wichtigen Wirtschaftsmedien (New York Times und Washington Post beziehungsweise Süddeutsche Zeitung, Handelsblatt und Frankfurter Allgemeine Zeitung) und erstellen auf dieser Basis ihre R-Wort-Indikatoren, mit denen sie bereits mehrmals den Beginn einer Rezession treffsicher prognostizieren konnten, während klassische Prognose-Instrumente dies häufig nicht vermochten.

    Was also tun, sprach Zeus: Die gefühlte Inflation des Inflationsbegriffs in den Medien als Menetekel einer tatsächlichen Inflation deuten und griechische Anleihen kaufen?

    Sven Grönwoldt

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